Action mit Stil: Québec im Herzen Kanadas


 
 
 

In der Provomu Québec gehen Naturerlebnis und Lebenskunst Hand in Hand

QUÉBEC – Kanada, das sind hemdsärmlige, wortkarge Typen in karierten Holzfällerhemden und einsame Hütten mit knisternden Holzöfen und Bären vor der Tür. Das ist Nordamerika, aber eben nicht wie die USA. Irgendwie anders.

Ein Land für freiheitsliebende Auswanderer und zivilisationsmüde Großstädter mit Lust auf in Sirup getränkte Pancakes. In seiner östlichen Provinz Québec begeben wir uns auf Spurensuche nach dem Wahrheitsgehalt von Klischees über das Land mit dem Ahornblatt in der Flagge.

Um es vorwegzunehmen: Ja, es gibt sie, die Flanellhemden mit Karo, den Wald, unglaubliche Kälte, Einsamkeit. Überraschend sind die vielen kleinen Nuancen dazwischen. Das Savoir-vivre, also die „Kunst zu Leben“, haben sich die französischsprachigen Kanadier in dieser Provinz offensichtlich von ihren Vorfahren abgeschaut und um ihre eigenen Facetten ergänzt. Freundlich, eigensinnig, mit Gespür für Stil, Genuss, modern-rustikale Architektur.

Und immer wieder diese Natur. Etwa im Parc National du Mont-Tremblant — immerhin der älteste und größte Nationalpark in Québec. Hier finden wir vor: Den Duft von frischem Farn und Moos, das jeden Schritt locker-leicht abfedert; den Blick auf einen unglaublich blauen Himmel, über den Wildgänse Richtung Süden ziehen und der sich über glasklare Wasser unzähliger Seen spannt, an deren Ufer gerade jetzt, im Herbst, das Laub in einem Farbenmeer aus Gelb-, Rot-, Grün- und Brauntönen ertrinkt.

Bunte Herbstfärbung in unglaublichen Dimensionen

Indian Summer nennt sich dieses Phänomen, das in keinem Tourismus-Prospekt fehlen darf. Natürlich muss man dafür nicht Kanada fliegen. Das gibt es auch in Thüringen im Nationalpark Hainich. Doch nicht in diesen unglaublichen Dimensionen, die sich erst aus der Luft erschließen. In einem Land, in dem knapp vier Einwohner auf einem Quadratkilometer wohnen. In Deutschland sind es 231.

Mal ausgenommen von Montreal, der pulsierenden Provinz-Metropole, in der knapp die Hälfte aller 8,2 Millionen Einwohner Québecs zu Hause ist, wird Weite und Größe dieses Landes überall spür- und erfahrbar.

Etwa beim Nationalsport Fischen auf einem der rund eine Million Seen, die alleine in dieser östlichen Provinz im Land liegen. Oder beim Kanu- und Kajakfahren, fester Bestandteil im Angebot der Lodges. Beim Mountainbiken auf einem der vielen ausgewiesenen Trails entlang von mäandernden Flussläufen durch hügeliges Land.

Doch „outdoor“ in Kanada ist auch anders möglich. Temporeich, voller Action, mit einer offensichtlichen Affinität fürs US-amerikanische Entertainment Marke Disney. Etwa im nach dem nahen Berg Mont-Tremblant benannten Ressort.

„Harmonisch eingebettet“ sieht anders aus. Das Adventure-Feriendorf samt Fußgängerzone und Hotelmeile am Fuß des Berges hat den Charme einer geschleckten Retortensiedlung aus der amerikanischen Version von Schöner Wohnen. Für Fun-Sportler genau das Richtige!

Im Winter jagen Touristen hier wenig anspruchsvolle Pisten hinunter. Davor und danach sausen sie über die Baumwipfel hinweg beim Zipline-Fahren XXL. Fünf Seilbahnen, gespannt hoch über dem waldreichen Berg und zum Teil bis zu über einem Kilometer lang, bieten viel Spaß für Unerschrockene und dazu grandiose Ausblicke von den Plattformen.

Mit 85 Schlittenhunden ins Abenteuer

Doch man kann dort auch weniger plakativ und bonbonrosa Abenteuerlust, Action und Natur gleichermaßen erleben. Beispielsweise bei Peter Boutin und seinem Unternehmen „Kinadapt“ in der Region Launadière.

Als 50-Jähriger hatte der damalige Sportlehrer und Kinesiologe den Traum, Menschen mit Hilfe von Hunden für die Bewegung draußen zu begeistern. Mit fünf Hunden fing er an. Heute, zwölf Jahre später, bieten er und seine Familie mit ihren mittlerweile 85 Schlittenhunden alles, was sich inmitten einer unberührten Landschaft mit Hunden anstellen lässt.

Oder Gaspar, der Guide mit dem wettergegerbten Gesicht, dem obligatorischen Holzfällerhemd und dem verschmitzten Lächeln. Der unterhält seine Besucher bestens in einem wilden Gemisch aus Französisch-Englisch alleine – um sie wenig später in der Stille des kanadischen Waldes auf die Fährte von Bären und Biber beim „Wildlife-Watching“ zu führen.

Ohne große Show. Bären auf 50 Meter Entfernung in freier Wildbahn erleben zu können, ist Show genug. Oder der 50-jährige Martin und seine Frau von „Rabaska Lodge Forest Inn“. Müde geworden vom städtischen Hoteltourismus haben sich die beiden vor zwölf Jahren das ehemalige und abgelegene Holzfällercamp „Montagne du Diable“ im weiteren Umfeld des Parks gekauft, um es zu einem rustikal-gemütlichen Ferienressort umzumodeln.

Der vor den Chalets gelegene See gleicht einem Meer — auf dem Sitz eines Motor-Ski-Bobs lässt sich entlang des endlosen Seeufers über glitzerndes Eis bei bis zu minus 50 Grad sausen.

Hemdsärmelig, rustikal, gemütlich ist die Lodge, in der dennoch etwa gegrillte Seeforelle auf einem Couscous-Blumenkohl-Beet oder französische Zwiebelsuppe mit Blätterteig-Haube angerichtet werden. Feine Kochkunst im Nirgendwo.

Lange hatten die frankophonen Kanadier ihr Erbe vergessen, gab es etwa nur Cheddar Cheese im Supermarkt. Nun schlägt das französische Erbe mehr und mehr durch, etwa bei regionaler Küche mit Pfiff, Liebe und Stil. Aber bitte nur nicht zu steif. Gepflegte Lässigkeit ist angesagt. Das macht das Ganze herrlich unkompliziert und unprätentiös. So einfach kann Genießen sein.

Mehr Informationen:
Tourisme Québec, www.quebecoriginal.com, die diese Reise unterstützt haben. Außerdem bei https://lanaudiere.ca/en/